Der İslam

August 26, 2008

Der Islam ist die vom Aberglauben und von Legenden gereinigte Religion ALLAHs, des Erhabenen. Er lehnt Scheinheilige ab, betrachtet den Menschen nicht als Sünder, sondern als von ALLAH, dem Erhabenen, erschaffenen Diener. Er gibt ihm die Gelegenheit, in dieser Welt durch Fleiss seine Existenz zu sichern. Er befiehlt die körperliche und geistige Reinheit. Das Fundament des Islams ist an ALLAH, den Erhabenen, den einzigen Schöpfer und an Seinen Propheten Muhammed, Friede sei mit Ihm, der ein Mensch wie wir und geliebter Diener ALLAHs, des Erhabenen ist, zu glauben. Im Islam ist der heilige Prophet Muhammed der vorzüglichste Mensch. ALLAH, der Erhabene, wählte ihn aus, um Seine Gebote den Menschen zu übermitteln. Der Islam erkennt alle Propheten, Friede sei mit Ihnen allen, an. Er ehrt und würdigt sie. Es wurde schon in den alten heiligen Schriften und im wahren Evangelium erwähnt, dass ein letzter Prophet kommen würde. St. Muhammed, Friede sei mit Ihm, ist dieser Prophet und nach ihm wird kein anderer kommen.

An das Prophetentum St. Muhammeds, Friede sei mit Ihm, glauben, heißt zugleich daran glauben, dass seine im heiligen Koran verkündeten Gebote und Verbote, die Gebote und Verbote ALLAHs, des Erhabenen sind und all diese gern zu befolgen. Falls der Gläubige einige dieser Regeln nicht befolgt, tritt er nicht aus dem Islam heraus, aber wenn er nicht bereut, auch eine einzige Regel verletzt zu haben und sich im Gegenteil dieser Tat rühmt, kann er nicht mehr als Moslem betrachtet werden. Er verfällt in Unglauben. Nur dann wenn er nach seiner Fehltat sich mit allem Herzen demütig zu ALLAH, dem Erhabenen, wendet, wird er in seinem Glauben verfestigt.

Folgender Teil handelt von den Fundamenten des Islams. Es gibt im Islam keine mannigfaltigen, religiösen Zeremonien, Verbote und Feste. Die heiligen Tage sind nicht zahlreich. Der Islam verlangt vom Menschen, dass er ein ehrliches und sittliches Leben führt, aber erlaubt zugleich, dass er das Leben genießt. Die für die Anbetung vorgesehene Zeit ist kurz. Der Grundsatz der Anbetung ist, die Seele ganz ALLAH, dem Erhabenen zu widmen. Sie wird nicht als religiöse Gewohnheit, sondern als Anlaß, mit allem Herzen zu danken und um Seine Gnade zu beten, verrichtet. Die Anbetung, die nur zum Schein verrichtet wird, findet bei ALLAH, dem Erhabenen, kein Gehör. Im heiligen Koran lautet die Sure Maun (Der Beistand) sinngemäß: Hast du den gesehen, der das Gericht leugnet? Er ist’s, der die Waisen verstößt und nicht antreibt zur Speisung des Armen. Drum wehe den Betenden, die nachlässig in ihren Gebeten sind, die nur gesehen sein wollen und den Beistand versagen.

Das heilige Buch des Islam ist der heilige Koran. Der heilige Koran wurde von ALLAH, dem Erhabenen, Seinem Propheten Muhammed offenbart und von St. Muhammed, Friede sei mit Ihm, seinen Gefährten verkündet. Der heilige Koran wurde während seiner Bekanntgabe mit großer Sorgfalt gesammelt und bis heute, ohne jegliche Fälschung seines einzigen Wortes erhalten. Kein anderes heiliges Buch besitzt die Vollkommenheit und Unveränderlichkeit des heiligen Korans. Heute, vierzehn Jahrhunderte nach seiner Offenbarung, bewahrt der heilige Koran seine originale Klarheit d.h. seine Prägnanz, seine Beredsamkeit und seinen sprachlichen Purismus. Der weltbekannte deutsche Dichter und Philosoph Goethe (1749-1832) äussert sich in seinem Buch West-Östlicher Diwân wie folgt zum heiligen Koran: “Genaue Vorschriften von Dingen, die erlaubt und verboten sind, Erzählungen jüdischer und christlicher Religion, Erweiterungen aller Art, mehrmalige Wiederholungen bilden den Körper dieses geheiligten Buches, das uns, während seiner Rezitation wegen solcher Wiederholungen zuerst das Gefühl der Langweiligkeit empfinden lässt, dann uns immer von neuem anzieht und mit Bewunderung erfüllt und uns endlich zur Verehrung zwingt.”

Neben Goethe bewunderten auch viele andere bekannte Denker den heiligen Koran. Wir möchten einige erwähnen: Professor Edouard Monte sagte: “Das heilige Buch, das die Einheit ALLAHs in einer von keinem anderen heiligen Buch übertroffenen Weise ankündigt, ist der heiligen Koran.”

Auch Dr. Maurice, der den heiligen Koran ins Französische übersetzte, bemerkt: “Der heilige Koran ist das vorzüglichste heilige Buch, das der Menschheit geschenkt worden ist.”

Gaston Karr berichtet: “Im Koran, der die Quelle des Islams ist, können wir alle Fundamente der Weltzivilisation erblicken. Derart, das wir einsehen müssen, dass unsere Zivilisation auf den im Koran verkündeten Moralregeln gebaut worden ist.”

Der Islam sieht als Fundament die Reinheit der Seele und des Körpers an. Er vereinigt in sich alle sichtbaren und unsichtbaren Segen der aufeinander folgenden Religionen.

Im Islam gibt es fünf Hauptpflichten, die von jedem, der sich zum Islam bekehrt hat, d.h. von jedem gläubigen Moslem erfüllt werden müssen: Erstens muss man daran glauben, dass Allah, der Erhabene, der einzige Gott und St. Muhammed, Friede sei mit Ihm, sein Prophet ist, zweitens muss man das Gebet verrichten, drittens im Monat Ramadan fasten, viertens nach Mekka pilgern und fünftens Armensteuer bezahlen.

Das Gebet wird fünfmal am Tage zu bestimmten Zeiten verrichtet. Es ist erforderlich, sich vor dem Gebet zu säubern, dass heißt die Hände, das Gesicht, die Arme und die Füße zu waschen. Wenn man aber den Körper nach dem Gebet saubergehalten hat, braucht man dies beim nächsten Gebet nicht zu wiederholen. Die Erfüllung der irdischen Tätigkeiten scheitern nicht an der täglich fünfmaligen Verrichtung des Gebetes. In der Tat kann ein Gebet, das nur eine kurze Zeit dauert, irgendwo allein erfüllt werden, ohne zur Moschee zu gehen. Es gibt ferner die Leichtigkeit durch Abreiben auf Ledersocken, was ermöglicht, ohne das Ausziehen der Socken die nächste rituelle Waschung vorzunehmen. Sogar ist es erlaubt, dass diejenigen, die in einem wasserarmen Gebiet sind, und die Kranken durch Sandwaschung, d.h., durch reiben der Hände auf sauberen Boden ohne Wasser die rituelle Reinigung vorzunnehmen. In notwendigen Fällen, während der Fahrt, vor Gefahr eines Diebstahls und bei Lebensgefahr darf man die Gebetsverrichtung verschieben. Erst wenn diese Hindernisse aufgehoben sind, werden alle versäumten Gebete wieder verrichtet. Diese Tat wird Nachholung genannt.

Das Fasten heißt, sich im Fastenmonat Ramadan von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang von bestimmten Dingen, die das Fasten abbrechen, zu enthalten. Der Sinn dessen ist, dem Menschen die Peinlichkeit des Hungers und Durstes zu zeigen, denn der Satte versteht vom Leid des Hungrigen nicht und erbarmt sich nicht seiner. Durch das Fasten spürt dies aber der Satte am eigenen Leibe. Das Fasten diszipliniert den Körper. Ein anderer Vorteil ist, dass es ihn zur Selbstbeherrschung führt. Das Fasten schützt den Menschen vor allerlei Übersättigungskrankheiten. Da der Ramadan durch den arabischen Mondkalender bestimmt wird, trifft er jedes Neujahr zehn Tage vor dem vorausgegangenen ein. Deshalb fällt der Ramadan manchmal auf den Sommer, manchmal auf den Winter. Krankhafte Personen, die das Fasten im Sommer nicht ertragen, können es im Winter verrichten. Sehr alte Leute, die überhaupt nicht imstande sind zu fasten, können sich durch die Bezahlung von Almosen, also Lösegeld genannt, von dieser Pflicht befreien.

Im Islam gibt es keinen Zwang und keine Qual. Allah, der Erhabene, verlangt nie, dass der Gläubige bei der Ausübung seiner Pflichten seine Gesundheit verliert. Allah, der Erhabene, ist großmütig, allverzeihend und barmherzig.

Die Armensteuer wird vom Wohlhabenden, mehr als seinen persönlichen Bedarf deckende Handelsgüter und Mieteinkommen besitzenden Moslem bezahlt. Der Steuersatz für den Moslem, dessen Einkommen ein bestimmtes Maß erreicht, ist ein Vierzigstel, also zweieinhalb Prozent des jährlichen Gesamteinkommens. Diese Steuer wird nur für die armen Moslems von reichen Moslems erhoben. Derjenige, dessen Einkommen nur seinem Lebensunterhalt genügt, ist steuerfrei.

Die Pilgerfahrt darf und muß nur vom reichen, mit keiner Schuld belasteten Moslem unternommen werden, der imstande ist, seiner zurückgelassenen Familie für die Dauer der Pilgerfahrt genügende Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Sie wird einmal im Leben durch den Besuch der heiligen Stätte Mekka und ein Gebet am Arafat verrichtet. Falls die Fahrt nach Mekka mit Lebens-oder Krankheitsgefahr oder für den Pilger mit unerträglichen Schwierigkeiten verbunden ist, wird sie nicht unternommen. In diesem Falle ist es dem Pilger gestattet, einen anderen damit zu beauftragen und zur Pilgerfahrt zu schicken.

Die Einzelheiten und Durchführungsbedingungen dieser Pflichten sind in den Religionsbüchern zu finden. Es ist notwendig, diese Bücher zu lesen und zu studieren.

Die Anbetung im Islam geschieht zwischen ALLAH, dem Erhabenen, und dem Gläubigen. Nur ALLAH, der Erhabene bestraft oder begnädigt denjenigen, der diese Pflicht vernachlässigt oder fehlerhaft ausübt. Der Bestrafte wird aber das fürchterliche Feuer der Hölle zu spüren bekommen.

Wer wird immer und ewig in der Hölle bleiben? Derjenige der das Gebet vernachläßigt; derjenige, der diese oder die andere Sünde begangen hat? Nein, diese nicht, aber die Feinde ALLAHs, des Erhabenen, werden das ewige Feuer erleben. Der Sünder ist kein Feind ALLAHs, des Erhabenen, Er ist nur seiner Fehltat schuldig. Er ist wie das unartige Kind. Betrachtet es seine Familie als Feind? Sicher nicht, sie schilt ihn etwas wegen seines Betragens, aber sie liebt es weiterhin. So geschieht es auch mit dem sündigen Gläubigen.

Die Moslems glauben an ALLAH, der Erhabene, an Seine Propheten, heiligen Bücher, an Seine Engel, den Jüngsten Tag, an die Vorherbestimmung und an die Auferstehung. Sie glauben ferner, dass Gutes und Böses von ALLAH, dem Erhabenen, bestimmt werden und dass es nach diesem Leben auch ein Jenseits geben wird. Wir finden diese Glaubensgrundsätze auch in den anderen Eingottreligionen, die wir behandelt haben.

Wir haben oben erwähnt, dass die Anbetung eine Sache zwischen ALLAH, dem Erhabenen, und dem Menschen ist. Aber demjenigen, der andere betrügt, sich Rechte oder Güter anderer aneignet, dem Lügner, Betrüger, Quäler, dem Ungerechten, Heuchler, demjenigen, der dem Vater, der Mutter und den Älteren nicht gehorcht, sich gegen die Vorgesetzten und den Rechtsstaat auflehnt, kurzgefasst demjenigen, der die Gebote ALLAHs, des Erhabenen nicht durchführt und sich im eigenen Interesse am Recht anderer vergreift oder andere betrügt, vergibt ALLAH, der Erhabene, seine Sünde nicht, bevor der durch Freveltat Beschädigte selbst ihm seine Sünde vergeben hat. Sonst wird ALLAH, der Erhabene, solchen, die Menschen-und Tierrechte missachten ihre Sünden nicht vergeben und kein Gebet wird sie vor der Höllenqual retten.

Eins von den Menschenrechten ist auch, dass der Mann, der sich von seiner Frau scheiden lässt, ihr eine bestimmte Mitgift zahlen muß. Falls er das nicht tut, erlebt er dafür die Strafe im Diesseits und strenge Qual im Jenseits. Das wichtigste Menschenrecht, das den Menschen in die heftigste Qual versetzen wird, falls es nicht erfüllt wird ist, dass man den Dienst, Bekanntmachung der Gebote des Erhabenen für seine Verwandten und Nahverwandten und die Leute unter seiner Autorität vernachlässigt. Das ist damit gleichgestellt zu unterlassen, ihnen die islamische Religion zu lehren.

Es versteht sich leicht, dass derjenige, der die Leute unter seiner Autorität, seine Verwandten und andere Moslems durch Belastung, Qual oder durch Tricks daran hindert, ihre rituelle Gebete zu verrichten und ihre Religion zu lernen, ein Feind des Islams, ein Ungläubiger ist.

Der Moslem, der einem der vier bekannten Rechtsschulen nicht folgt, wird Anhänger der Irrlehre genannt. Es ist eine große Gefahr für die Moslems, dass die Verirrten die Glaubenslehre der Anhänger der Sunna mit ihren Worten und Schriften zu ändern und somit den Islam zu verfälschen versuchen.

Diese sollten noch im irdischen Leben ihre Sünden bereuen, den durch ihre Tat Betroffenen entschädigen und seine Verzeihung erlangen, auf die Gnade ALLAHs, des Erhabenen, vertrauen, sich derartiger Missetaten enthalten und durch viele gute Taten die Vergebung ihrer Sünden suchen. Nur dann wird ALLAH, der Erhabene, ihnen ihre Sünden vergeben.

Wir glauben, dass diejenigen, die der Menschheit nützliche Kenntnisse und Werke hinterlassen haben, am Ende ihres Lebens sich der göttlichen Rechtleitung erfreuen werden, obwohl sie Angehörige anderer Religionen waren. Die alten Moslems nannten solche Leute diejenigen, die ihre Religion geheim hielten und ehrten sie. Wir wissen nicht, ob diese Wohltäter der Menschheit, deren Unglaube nicht bestimmt ist, vor dem Tode den rechten Weg zu ALLAH, dem Erhabenen, den Islam fanden. Aber wenn sie von der Denkkraft die ihnen von ALLAH, dem Erhabenen geschenk wurde guten Gebrauch gemacht, der gesamten Menschheit, ohne jemandem Böses anzutun gedient und die Grundsätze anderer Religionen studiert haben, ist es wohl zu vermuten, dass sie den rechten Weg finden und gute Moslems werden.

Zum Beispiel: Bernard Shaw (1856-1950), ein bekannter Schriftsteller unserer Zeit, schreibte in einer seiner Schriften folgendes: “Der Islam ist die einzige Religion, die fähig ist, sich jedem Jahrhundert anzupassen. Es scheint mir, dass sie von dem künftigem Europa vom ganzen Herzen akzeptiert wird. Der Islam wird für das Europa von Morgen genauso annehmbar sein,” Dies zeigt, dass Shaw von Herzen den Islam annahm.

Der deutsche Denker und Schriftsteller Emil Ludwig (1881-1948) erwähnt in einem seiner Werke: “Ich machte eine Reise durch Ägypten. Eines Abends ging ich am Roten Meer zu Fuß. Plötzlich habe ich einen Gebetsruf in der Stille gehört. Mein ganzer Körper zitterte mir vor Ehrfurcht vor dem Schöpfer. Plötzlich empfand ich den Wunsch, gleich ins Wasser zu springen, um die rituelle Waschung vor zunehmen, nach diesem erfrischenden Bad mich wie ein Moslem niederzuwerfen und ALLAH, dem Erhabenen, anzubeten.” Beweisst dies nicht, dass im Herzen des großen Schriftstellers, wenn auch vorübergehend, der Funke des Islams erwacht ist?

Auch Lord Hadley, der denselben Funken aufleuchten fühlte, sagte einst: “Nachdem er die schlichte, aber lichtumwobene Erhabenheit des Islams wahrnimmt, fühlt sich der Mensch, wie einer, der aus einer dunklen Höhle ins Tageslicht getreten ist.” Hadley hat also, allem Anschein nach, auch den Islam angenommen. Wenn solche Menschen sterben, ohne den rechten Glauben erreicht zu haben, wird ALLAH, der Erhabene, wegen der Verdienste, die sie der Menschheit erworben haben, sicherlich ihre Strafe vermindern. Dazu die heiligen Verse 7, 8 der Sure Silsal (Das Erdbeben) sinngemäß: “Und wer auch nur Gutes im Gewicht eines Stäubchens getan, wird es sehen. Und wer Böses im Gewicht eines Stäubchens getan, wird es sehen.” Die schlimmste der Bosheiten ist ungläubig zu sein. Auch derjenige, der nur für das Gute der Menschheit gestrebt, der Menschheit nützliche Entdeckungen und Werke hinterlassen und sein Leben oder seine Gesundheit aufopfernd für seine Mitmenschen unter den schwierigsten Umständen gearbeitet hat, wird doch nicht vor Strafe des Unlgauben verschont bleiben, wenn er als unläubig gestorben ist. Aber bei ALLAH, dem Erhabenen, wird die Strafe dessen, der jedes Böses begeht und zum Schein anbetet, sicher viel strenger ausfallen.

In der Geschichte des Osmanischen Reiches gibt es viele Befehlshaber, Wissenschaftler und Naturwissenschaftler, die vorerst Christen waren, aber sich später zum Islam bekehrten und ihm große Dienste erwiesen.

Ismail Hakkı Effendi aus Bursa, Friede sei mit ihm, ist einer der großen islamischen Gelehrten. Er starb dort 1137/1725. Seine zehnbändige Auslegung des heiligen Korans namens “Rûh’ul-Beyân” wird von allen islamischen Gelehrten, Friede sei mit ihnen allen, besonders hochgeschätzt. Zum Schluß der Auslegung des sechsten Kapitels bemerkt er: “Als in Anwesenheit meines gelehrten Scheichs erwähnt wurde, dass manche Christen und Juden alle Menschen mannhäftig behandelten und Gutes taten, erwiederte er: “Dies ist das Zeichen des Ewigglücklichen. Wir hoffen, dass diese den Glauben und die Einheit des Glauben finden werden und ihr Streben ein gutes Ende nehmen wird.” Diese Zeilen seines Kommentars erwähnen wir, um unserer oben erwähnten Ansicht Kraft zu verleihen.

Nun möchten wir uns mit denen befassen, die den Islam kritisieren und Fehler in ihm suchen. Diese heben folgende Einwände hervor:

1– “Der Islam genehmigt, dass ein Mann vier Frauen heiratet. Dies kann in keiner Weise mit unserem heutigen Familienbegriff und mit der Sozialordnung in Einklang gebracht werden.”

Wir möchten dies wie folgt beantworten: Der Islam entstand vor vierzehn Jahrhunderten. Zu dieser Zeit hatten die Frauen in Arabien, dem Geburtsort des Islams, überhaupt keine bürgerlichen Rechte. Jeder Mann konnte nach seinem Belieben mit einer unbegrenzten Anzahl von Frauen zusammenleben und lehnte jede Verantwortung gegen sie ab. Dass die Frau in Arabien gar keinen Wert hatte, können wir daran sehen, dass viele Familien ihre neugeborenen Töchter lebendig begruben. Der Islam beschränkte die Zahl der Frauen, mit denen ein Mann zusammenleben konnte, hinblicklich der damals herrschenden Umstände, erkannte den Frauen viele Rechte an, setzte schon vor der Heirat die Summe fest, die der Mann der geschiedenen Frau als Entschädigung bezahlen muss, um sie vor Elend zu bewahren. All dies zeigt, dass der Islam, wie manche Kritiker behaupten, “die Frau nicht erniedrigte”, sondern ganz im Gegenteil, ihre soziale Lage erhob. Diese Tatschen, die wir eben erklärt haben, stehen ausführlich ab Seite 324 des (arabischen) Buches namens Dhija-ül-Kulûb von Ishak Effendi aus Harput, welches er gegen die von den protestanischen Missionaren verbreiteten Verleumdungen und Legenden verfasst hat. Dieses Buch ist vom Hakîkat Verlag in türkisch unter dem Titel “Sie waren nicht imstande zu beantworten” veröffentlicht worden.

Zur heutigen Lage möchten wir folgendes bemerken: Der Islam gebot die Heirat des Mannes mit vier Frauen nicht, sondern tolerierte sie nur. Das heisst, mehr als eine Frau heiraten ist weder eine unentbehrliche noch eine empfohlene Vorschrift; sie ist nur zulässig. Mehmed Sichni Effendi erklärt zu Anfang des Kapitels Münakehât (Heiratskunde) seines Buches namens Nimetü’l-Islam: “Weder die Scheidung des Mannes von seiner Frau, noch die Heirat des Mannes mit vier Frauen, sind nach dem Islam nötig oder empfohlen. Es ist erst im Falle einer Notwendigkeit erlaubt. Weder Männer sind für die Heirat mit mehreren Frauen verpflichtet, noch die Frauen sind verpflichtet dafür, diese Heirat zu akzeptieren.” Wenn die Regierung etwas Zulässiges verbietet, dann verliert es seine rituelle Geltung und ist schon verboten, erfüllt zu werden. Denn der wahre Moslem widerspricht dem Gesetz nicht und begeht keine gesetzwidrige Tat. Der Moslem ist ein Mensch, der anderen und sich selbst keinen Schaden zufügt. Darüber hinaus muß derjenige, der ein zweites Mal heiraten möchte, wirtschaftliche und soziale Bedingungen erfüllen, welche die Rechte und Freiheiten der ersten Frau schützen. Er muss auch die Rechte and Freiheiten seiner nächsten Frauen erfüllen. Die Heirat mit mehreren Frauen verbietet der Islam demjenigen, der wirtschaftliche und soziale Möglichkeiten nicht besitzt und nicht imstande ist, die Rechte mehrerer Frauen zu beachten. Wenn er darauf verzichtet, eine zweite Frau zu heiraten, um sich mit seiner ersten Frau zu versöhnen, wird dies als gute Tat anerkannt. Es ist verboten, das Gefühl der ersten Frau zu verletzen. Unter den schwierigen Lebensverhältnissen des zwanzigsten Jahrhunderts können nur wenige dieser Bedingungen erfüllen. Es ist dadurch klar, dass heute die Heirat mit einer zweiten Frau nicht mehr als toleriert angesehen werden kann. Der Islam erkennt an, dass die Vorschriften, die mit Sitten und Gebräuchen eng verbunden sind, sich mit der Zeit ändern, und deshalb hat heute fast jeder Moslem nur eine Frau.

Nun möchten wir auch die Praxis anderer Länder und Religionen näher betrachten: In den anderen heiligen Büchern ist es genehmigt mehrere Frauen zu heiraten. Die Propheten David und Salomo hatten viele Frauen und Sklavinnen. Im Alten Testament, das die Christen und die Juden für heilig halten, wird dies bestätigt. [Das Erste Buch Mose (Genesis) 30; Das Zweite Buch Mose (Exodus) 21; Das Fünfte Buch Mose (Deuteronomimum) 21 und Samuel 1-2] wird die Polygamie gestattet. Die judischen Propheten David und sein Sohn Salomo hatten viele Frauen und Sklavinnen. Die Oströmischen Kaiser waren auch polygam. Die alten deutschen Kaiser, z.B. Friedrich Barbarossa (1152-1190) war zugleich mit drei oder vier Frauen verheiratet. Bei den Eskimos kann der Mann, durch Einwilligung seiner Frau, eine zweite Frau nehmen. Die im Jahre 1830 in den Vereinigten Staaten von den Christen gegründete Mormonensekte gestattet die Polygamie. (Doch die heutigen amerikanischen Gesetze verbieten es.). In Japan kann der Mann auch heute mehr als eine Frau heiraten.

Also ist es ein großes Unrecht, den Islam der Polygamie zu beschuldigen, denn viele Länder und Religionen haben die Polygamie anerkannt. Der berühmte Schriftsteller John Milton (1608-1674) bemerkt: “Warum sollte die Polygamie eine Praxis, die weder im Alten noch im Neuen Testament verboten ist als etwas Schamhaftes oder Ehrenwidriges angesehen werden? Alte Propheten hatten immer zahlreiche Frauen. Also ist die Polygamie kein Ehebruch, sondern eine mit dem heiligen Gesetz und dem öffentlichen Gewissen in Einklang stehende Praxis.” Der weltbekannte Denker und Schriftsteller Montesquieu (1689-1735) meint: “Wenn wir in Betracht ziehen, dass in den heißen Ländern die Frauen sich körperlich schnell entwickeln, aber auch schnell altern, ist es ganz natürlich, dass Männer in diesen Ländern mehrmals heiraten.” Doch wie wir bereits erwähnt haben, ist heute die Polygamie in islamischen Ländern fast verschwunden, weil die Lebensverhältnisse schwieriger wurden.

2- “Der Islam befehle den Moslems im Namen der Religion die Unlgäubigen zu töten, ihre Länder zu verwüsten, deren Bevölkerung niederzumetzeln und nennen dies “Dschihad” (Heiliger Krieg).”

Diese Behauptung ist völlig falsch. Das Ziel des Heiligen Krieges im Islam ist nicht die Verwüstung anderer Länder und die Austrottung ihrer Bevölkerung, sondern die Verbreitung und Verteidigung der Religion und dies wird nie durch Zerstörung und Quälerei erreicht. Der Islam schreibt dem Gläubigen vor, sich nur gegen einen Angriff zu wehren und zu kämpfen. Aber die Christen haben, wie oben ausführlich erwähnt wurde, sich vor keiner Mordtat zurückgeschreckt und trotz der Gnade und Erbarmen einprägenden Worte des heiligen Propheten Jesus, jede Art von Gewalt angewandt. Die Weltgeschichte ist voll mit ihren Grausamkeiten. Es ist ein Gebot ALLAHs des Erhabenen im Frieden die Waffen, der Ungläubigen, zu erforschen, sie zu erlernen und sie zu produzieren. Eine Regierung die dieses Gebot nicht beachtet, wird sich nicht dem Islam gemäß verhalten haben, da die Vernachlässigung dieses Gebotes dazu führen kann, dass tausende von Muslims den Märtyrertod finden und somit dem Islam großer Schaden zugefügt wird. Der wahre Moslem dagegen greift niemand an. Wenn jemand ihn oder seine Religion angreift, ermahnt er ihn durch sanfte Worte zur Tugend. Wenn das ohne Erfolg bleibt, wendet er legitime Mittel an.

Das Gericht kann ein gerechtes Urteil fällen. Wenn er durch das Gericht sein Recht hat erhalten können, kümmert er sich um seine eigenen Angelegenheiten und darf nicht mit den Angreifern zusammen sein. Wenn trotzdem sein Gut oder Heim überfallen wird, wandert er aus, d.h., er verlässt die Stadt. Wenn es ihm unmöglich ist, irgendwohin auszuwandern, verlässt er diesmal das Land. Wenn er kein islamisches Land findet, in das er auswandern kann, dann wandert er in das Land der Ungläubigen aus, wo Menschenrechte beachtet werden. Der Moslem verletzt keinen durch Wort und Tat. Er vergreift sich nicht am Vermögen und an die Ehre anderer. Heiliger Krieg des Islams, heißt allen Menschen den Islam, die wahre Religion ALLAHs, des Erhabenen, mitzuteilen. Im Islam geschieht dies in der Regel durch sanfte Predigt und musterhaftes Benehmen. Nur dann wenn ein grausamer und ruchloser Diktator seinem Volk mit Gewalt den Weg zum Islam sperrt, wird er mit dem Schwert des Islam aus dem Weg gräumt. Zuerst sollte man sie ermahnen, dann sollte man sie aufrufen in den Islam zutreten. Wenn sie sich dem weigern, so rufe man sie auf die islamische Herrschaft anzunehmen, indem sie ihre Kopsteurer zahlen. Wenn auch dieses verweigert wird, sollte man dieses Hinderniss gewaltätig abschaffen. Den heiligen Krieg mit Waffengewalt führt übrigens nicht der einzelne Moslem, sondern der islamische Staat.

Im heiligen Koran heisst es: “Es sei kein Zwang im Glauben.” [Die Sure Bakara (Die Kuh), Vers 256] Die Moslems versuchten nie, ganz im Gegensatz zu den Christen, die jedes Mittel als gerecht ansahen, durch Zwang oder unter Bestechung neue Gläubige anzuwerben. Wer es will, bekehrt sich zum Islam freiwillig. Die Moslems geben durch ihre sanftmütige, logische und vernünftige Worte b.z.w. ihre guten Eigenschaften, dazu Anlass, dass sie freiwillig in den Islam eintreten. Diejenigen, die sich nicht zum Islam bekehren wollen, leben im Schutze des islamischen Staats als Nichtmuslim. Sie haben dabei die Rechte und Freiheiten der Moslems und verrichten die Rituale und Vorschriften ihrer eigenen Religionen. So wird es ab Seite 293 des Buches Dhija-ül-Kulûb (Sie waren nicht imstande zu beantworten) berichtet.

In der 70. Geschichte des arabischen Buches “Menâqıb-ı Tschichâr yâr-ı güzin (Erzählungen) wird folgendes berichtet: “Eine Handelskarawane übernachtete einst ausserhalb von Medina. Die ganze Karawane war vor Übermüdung in einen tiefen Schlaf gefallen. Der Kalif Omar bemerkte sie, als er die Stadt besichtigte. Er kam zum Haus von Abdu’r-Rahmân ibn Avf’s und sagte: “Heute ist eine Karawane gekommen. Sie sind alle Ungläubige, aber sie haben bei uns Unterkunft gesucht. Sie besitzen viele wertvolle Güter. Ich fürchte, dass andere Reisende sie ausplündern mögen. Komm, wir werden sie zusammen bewachen.” Sie hielten bis zum frühen Morgen Wache und gingen dann zum Morgengebet in die Moschee. Ein Mitglied der Karawane war inzwischen erwacht und hatte den Vorgang bemerkt. Er ging hinter ihnen her, fragte überall herum und erfuhr zuletzt, dass einer der freiwilligen Wächter der Kalif Omar, Friede sei mit ihm, selbst war. Er kehrte zurück und erzählte es den übrigen. Als sie von der Güte und Sorgfalt des erhabenen Kalifen Omar erfuhren, der die oströmischen und persischen Heere geschlagen, tausende von Städten erobert und sich durch seine Gerechtigkeit ausgezeichnet hatte, sahen sie ein, dass der Islam die wahre Religion ist. Alle bekehrten sich gern zum Islam.”

Im Menâqıb wird noch folgendes erzählt: “Sa’d ibni Ebu Wakkas, Friede sei mit ihm, der unter St. Omars, Friede sei mit ihm, Kalifat Befehlshaber der Ostfront war, wollte in der Stadt Kûfe ein Schloß bauen lassen. Er wollte dazu, das seinem Grundstück angrenzendes Haus eines Persers aufkaufen. Der Perser wollte aber sein Haus nicht verkaufen. Daraufhin suchte der Perser den Rat seiner Frau. Diese sagte: ‘In Medina befindet sich ihr Kalif. Geh und beklage dich beim Kalifen über die Ungerechtigkeit, die uns der Wakkas zugefügt hat.’ Der Perser kam nach Medina und suchte vergebens den Palast des Kalifen. Schliesslich sagte man ihm: ‘Der Kalif hat keinen Palast. Er befindet sich übrigens jetzt ausserhalb der Stadt.’ Daraufhin suchte er ihn draussen, aber traf nirgendwo Soldaten oder Wächter an. Plötzlich bemerkte er jemanden, der auf der nackten Erde eingeschlafen war. Er weckte ihn und fragte: ‘Hast du den Kalifen gesehen?’ In der Tat war dieser kein anderer als der Kalif selbst. Daraufhin erkundigte sich St. Omar, Friede sei mit ihm, über die Beschwerden des Mannes und sagte darauf: ‘Ich bin der Kalif. Komm mit mir ins Haus.’ Zu Hause war aber kein Schreibpapier vorhanden. Omar erblickte einen trockenen Schulterblattknochen und schrieb darauf: “Bismi’llâhi’r-rachmâni’r-rachim; O Sa’d, verletze das Recht des Persers nicht! Andernfalls sollst du sofort zu mir kommen!’ Der Perser nahm den Knochen und kehrte zurück. Seiner Frau sagte er: ‘Alle ist Mühe umsonst! Wenn ich diesen Knochen zum Befehlshaber Sa’d bringe, wird er glauben, dass ich mich über ihn lustig mache und sehr wütend sein!’

Aber auf das Drängen seiner Frau ging er doch zu Sa’d. Sa’d saß mit seinen Soldaten zusammen und unterhielt sich freudig. Aber sein Auge blieb plötzlich am Knochenstück haften, das der Perser ihm entgegenstreckte. Er erkannte sofort die Handschrift des Kalifen Omars, Friede sei mit ihm, und erbleichte plötzlich. Jeder war über diese Wendung überrascht. Plötzlich flehte Sa’d, Friede sei mit ihm, den Perser an: ‘Ich bin bereit, jeden Wunsch von dir zu erfüllen. Aber bitte schick mich nicht zu Omar, Friede sei mit ihm, denn seine Bestrafung kann ich nicht überstehen?’ Dem Perser war, als würde er vor dem Flehen des Befehlshabers sein Bewusstsein verlieren. Nachdem er sich von seinem Staunen erholt hatte, bekannte sich der Perser zum Islam. Denjenigen, die ihn fragten: ‘Wie hast du freiwillig den Islam angenommen?’ erwiderte er: “Ich habe ihren Kalifen gesehen. Er hatte sich in eine geflickte Jacke gehüllt und war auf dem Boden eingeschlafen. Doch ich sah, wie die großen Befehlshaber vor ihm zitterten. Es leuchtete mir ein, dass der Islam die wahre Religion ist. Nur Angehörige einer solchen Religion könnten einem Feueranbeter (Mazdaisten) wie mir Gerechtigkeit erweisen.”

Der Historiker Professor Schiblii Nu’mâni, der Vorstand des indischen Rates namens Nadwat al-Ulamâ, der Autor des bekannten Buches Al-Intiqâd, starb im Jahre 1332 (1914). Ein anderes Buch von ihm in Urdu Al-Faruq wurde von der Mutter von Serdâr Asad’allah Khan, der Schwester von Nadir Schah, dem Herrscher von Afghanistan, ins Persische übersetzt und auf Befehl von Nadir Schah in Lahor 1352 (1933) gedruckt. Er berichtet in seinem Buch Al-Faruk: “Der islamische Befehlshaber Ebu Ubayda ibn Dscharrah, Friede sei mit ihm, der das große Heer des römischen Kaisers Heraklius in Flucht geschlagen hatte, ließ in jeder eroberten Stadt die Befehle des Kalifen Omar, Friede sei mit ihm, ausrufen. Als die Stadt Humus eingenommen wurde, liess er seine Boten ausrufen: ‘Hört ihr Byzantiner! Mit Hilfe ALLAHs, des Erhabenen, und auf den Befehl unseres Kalifen Omar haben wir auch diese Stadt erobert. Ihr seid frei in eurem Handel und Glauben. Niemand wird eurer Leben, eure Ehre oder Güter antasten. Die Gerechtigkeit des Islams wird auch euch schützen und eure Rechte werden verschont bleiben. Gegen den Feind von aussen werden wir euch genauso wie die Moslems verteidigen. Für diesen Dienst verlangen wir von euch an Stelle von Armensteuer, die von Moslems bezahlt werden, nur einmal im Jahr ein Tribut zu zahlen. ALLAH, der Erhabene, befehlt, dass wir euch dienen und dagegen Tribut abnehmen![Als Tribut bezahlt der Arme 40, der Mittelständige 80, der Reiche 160 Gramm Silber oder den Gegenwert in Gut oder Getreide. Von Frauen, Kindern, Kranken, sehr armen und alten Leuten, sowie von Religionsgelehrten wird kein Tribut verlangt.]

Die Bevölkerung von Humus bezahlt ihre Kopfsteuer freiwillig dem Schatzmeister der Staatskasse Habib ibn Müslime. Als aber bekannt wurde, dass Heraklius ein großes Heer aus allen Provinzen gesammelt hatte und einen Angriff gegen Antiochien vorbereitete, wurde beschlossen die Garnison von Humus nach Yarmük zu verlagern, um das dortige Heer zu verstärken. Ebu Ubayda, Friede sei mit ihm, ließ daraufhin durch seine Boten folgendes ausrufen: ‘Hört ihr Christen! Ich hatte versprochen, euch zu dienen und euch zu verteidigen. Dagegen hatte ich von euch Kopfsteuer einkassiert. Jetzt aber muß ich auf den Befehl des Kalifen, den gegen Heraklius kämpfenden Waffengenossen Hilfe leisten. Unter diesen Umständen werde ich mein Versprechen nicht einhalten können. Deshalb wendet euch an die Staatskasse und verlangt eure Kopfsteuer zurück! Eure Namen und die bezahlten Beträge sind im Schatzregister niedergeschrieben!’ Dassselbe geschah in vielen syrischen Städten. Als die Christen die Gerechtigkeit und Güte der Moslems wahrnahmen, freuten sie sich sehr, dass sie von den langjährigen Qualen und Grausamkeiten der oströmischen Kaiser endlich befreit waren. Sie weinten vor Freude. Viele bekehrten sich freiwillig zum Islam. Einige auskundschafteten im Auftrage des Islams, die Bewegungen der oströmischen Heere. So erhielt Ebu Ubayda, Friede sei mit ihm, täglich jede Auskunft über die Lage des Heeres von Heraklius. Im großen Sieg von Yarmuk spielten diese freiwilligen Spione eine große Rolle. Die Entwicklung und Verbreitung der islamischen Staaten ist nie durch Mord und Agression erreicht worden. Die leitende Kraft, welche diese Staaten zusammenhielt, war die Macht des Glauben und die Macht, der im Islam vorhandenen Moraltugenden wie Gerechtigkeit, Güte, Aufrichtigkeit und Selbstaufopferung.

Zivilisation heißt nicht, blindlings den Glauben, die Bräuche und Unsitten des Westens nachzuahmen. Das würde nur die Struktur der moslemischen Völker zerstören. Eine solche Zerstörung kann nur der Feind des Islams wünschen. Der Islam gestattet dem Moslem nie, seine Zeit untätig zu vergeuden. Er befiehlt den Moslems in jedem Bereich der Wissenschaft Fortschritte zu erzielen, Entdeckungen von Angehörigen anderer Religionen kennen zu lernen und auch selbst anzuwenden. Er fordert, dass sie in der Landwirtschaft, im Handel, in der Medizin, der Chemie und in der Kriegsindustrie den Vorrang vor anderen haben. Der Moslem prüft jedes technische Erzeugnis anderer Völker und erlernt ihre Anwendungs-und Herstellungsweise, aber er ahmt ihre verfälschte Religion und Unsittlichkeiten nicht nach.

Ignatief, der lange Jahre im Osmanischen Reich als russischer Botschafter tätig war, veröffentlichte in seinen Erinnerungen den Brief, den Patriarch Gregorius, der Hauptplaner des griechischen Aufstandes von 1821, während des Sultanats von Mahmut II, Friede sei mit ihm, dem russischen Zaren Alexander geschrieben hatte. Der Inhalt ist sehr beachtlich:

“Es ist unmöglich, die Türken materiell zugrunde zu richten, denn die Türken sind Moslems und deshalb sehr geduldige und widerstandsfähige Leute. Sie sind sehr stolz und gläubig. Diese Eigenschaften entstehen durch die Verbundenheit an ihre Religion, Abfindung mit dem Schicksal, die Stärke ihrer Traditionen und der Verpflichtung zur Gehorsamkeit gegen den Sultan, die Staatsmänner, Befehlshabern und gegen den Eltern.

Die Türken sind intelligent und auch fleissig. Sie können alle Schwierigkeiten überwinden, wenn sie von gerechten Führern geführt werden. Sie sind sehr genügsam. All dies, sogar ihre Tapferkeit verdanken sie der Güte ihrer Sitten und Traditionen und der Festigkeit ihres Charakters.

Wir müssen vorerst das Gehorsamgefühl der Türken vernichten, ihre moralischen Eigenschaften verderben und ihren religiösen Glauben schwächen. Der kürzeste Weg dazu ist, sie an fremde Ideen und Verhaltensweisen zu gewöhnen, die ihren Traditionen widersprechen. Wenn ihre Moral ins Schwanken gerät, wird auch die wahre Kraft der Türken, die es ihnen bis jetzt ermöglicht hatte, gegenüber sehr mächtige, zahlreiche Heere den Sieg zu erringen, erschüttert sein und uns in die Lage setzen, sie durch materielle Überlegenheit zugrunde zu richten. Deshalb genügen nicht nur Siege auf dem Schlachtfeld, um das Osmanische Reich zu liquidieren. Ganz im Gegenteil, der Kampf kann nur den Ehrensinn der Türken anfeuern.

Wir müssen unser Zerstörungswerk vollenden, ohne dabei den Türken irgend etwas merken zu lassen.”

Aus diesem Brief sollten wir eine Lehre ziehen. Obwohl noch vieles vom Inhalt zu lernen ist, möchten wir insbesondere auf die oben erwähnten zwei Hauptthemen aufmerksam machen:

1) Die Türken an fremde Ideen und Gebräuche gewöhnen, um ihre Festigkeiten in Glauben und in der Religion erschüttern zu können.

2) Ihre geistigen Fähigkeiten unbemerkt verderben.

Diese Ziele sollten durch die Nachahmung des Glaubens, der Gebräuche und Sittenlosigkeiten des Westens erreicht werden!

Der englische Wissenschaftler Lord Davenport, der alle Religionen gründlich studiert hatte, schreibt in seinem Buch “Der Prophet Muhammed und der Koran”, das Anfang unseres Jahrhunderts in London gedruckt wurde:

“Der Islam verbreitete sich in kurzer Zeit, da er auf hoher Ethik bestand. Die Moslems haben, die sich ihrer Waffengewalt beugenden Geistlichen anderer Religionen, immer mit Toleranz behandelt. Jurieu sagt: ‘Nie kann das Verhalten der Moslems gegen Christen mit dem Verhalten des Papstes oder der christlichen Herrscher gegen Andersgläubige verglichen werden. Zum Beispiel wurden am 24. August des Jahres 980 (1572) am Bartholomäustag sechzigtausend Hugenotten, Protestanten auf die Veranlassung von Charles IX. und von seiner Frau, Königin Chatherine von Medicis, ermordet. Dieses Ereignis steht als “Die Pariser Bluthochzeit” in der Geschichte geschrieben. (Wie bekannt, war Bartholomäus einer der zwölf Apostel und wurde im Jahre 71 im Laufe einer Missionsreise (vom armenischen König Sanadrug) in der Nähe von Erzurum ermordet.) Das Blut der Christen, das diese auf solche Weise vergossen haben, übersteigt bei weitem das Blut, welches die Moslems im Krieg gegen die Christen vergossen haben. Deshalb müssen wir die auf diese Weise getäuschten Menschen von dem Fehlglauben, dass der Islam eine grausame Religion sei, befreien. Solche Behauptungen entbehren jeder Grundlage. Verglichen mit den fürchterlichen, bestialischen Folterungen der päpstlichen Gerichte, sind die Moslems gegen Andersgläubige so sanft wie eine Taube gewesen.’

Chetfild sagt: “Falls die Araber, Türken und andere Moslems gegen die Christen dieselben Verfolgungen und Grausamkeiten verübt hätten, welche die Christen gegen Moslems verübt haben, wäre heute im Osten kein Christ übriggeblieben.”

Der Islam ist eine, mitten im Sumpf des Aberglaubens und der Legenden anderer Religionen aufgewachsene zarte Blume. Sie ist das Symbol der logischen Klarheit und geistigen Erhabenheit.

Milton meinte: “Nachdem Konstantin die Kirche bereicherte, hatte sich die Geld-und Herrschsucht der Geistlichen vergrössert. Den Preis bezahlte zuletzt das Christentum, welches in Sekten zerfiel.”

Der Islam rettete die Menschheit vor der erschütternden Tragödie, ‘den Götzen Menschen zu opfern’. Er hat das Menschenopfer durch das Gebet und den Almosen ersetz und auf diese Weise die Menschen zu guten Taten angespornt. Dadurch wurde auch das Fundament der Sozialgerechtigkeit gesetzt und der Islam verbreitete sich über die ganze Erde, ohne Waffengewalt. (Das ist der wahre Heilige Kampf des Islams).

Wir können behaupten, dass kein anderes Volk wie die Moslems die Wissenschaft respektiert und gefördert hat. Viele Hadithen des heiligen Propheten bekunden diese Tatsache. Der Islam hat die Wissenschaft höher als das Vermögen geschätzt. Muhammed, Friede sei mit Ihm, hat die Wissenschaft mit aller Kraft gefördert und seine nahen Anhänger haben denselben Weg befolgt.

Die Gründer der Grundlagen der heutigen Zivilisation und Wissenschaft, die Schützer der wissenschaftlichen Literatur sind die Moslems, unter der Herrschaft der Omaijjaden, Abbasiden, Gasnewiden, Seldschuken und Osmanen gewesen.”

Zahlreiche Exemplare des englischen Buches von Davenport, von dem wir einige Zeilen oben erwähnt haben, wurden von Missionären gesammelt und vernichtet. Der Heiligen Kampf des Islams wird im zweiten Band des Buches Idhar al-Hak von Rachmatullah Effendi aus Indien ausführlich geschildert.

3) Manche Leute sagen: “Im Islam gilt der Koran gleichzeitig als Gesetzbuch. Im Koran befinden sich aber manche Strafregeln, die heute als sehr streng und grausam betrachtet werden müssen, wie zum Beispiel das Abschneiden der Hand des Diebes.”

Auch diese Behauptung ist völlig falsch. In der Tat finden wir im heiligen Koran diese Regel. Aber damit ist nicht der Kleindieb, sondern der mit Gewalt Häuser angreifende und plündernde Räuber gemeint. Im heiligen Koran wird befohlen, dass solchen die Hand abgeschnitten wird. Ihre Anwendung ist aber mit strikten Bedingungen verbunden. Wenn diese nicht bestehen, wird die Hand des Täters, zum Beispiel wie oben angeführt, des Kleindiebes, nicht abgeschnitten. St. Ali, Friede sei mit ihm, befahl während er Kalif war, dass denjenigen, die wegen Hungersnot Nahrungsmittel stahlen, die Hand nicht abgeschnitten werden sollte. Wenn diese Regel heute in einigen sogenannten islamischen Staaten falsch angewendet wird, ist die Schuld nicht dem Islam zuzuschieben, sie liegt aber bei denen, die seine Regeln falsch verstehen und sie falsch anwenden. In den islamischen Staaten, die den Islam richtig und nach seinem Sinn auslegen, es richtig anwenden und sich genau danach richten, stellte sich kein Anlaß zur Anwendung dieser Strafregel ein. Denn in den islamischen Staaten wurde kein solcher Vorfall erlebt. Der Grund dafür sind die schweren Strafen, die im heiligen Koran für die obenerwähnten Delikten verkündet sind. In den islamischen Staaten dürfen auch die Richter die “Had” genannten Strafen nicht verzeihen. Die Verbrecher, die eine von diesen Strafen verdient haben, werden in aller Öffentlichkeit bestraft. Dies schreckt tatsächlich andere ab, solche Delikte zu begehen.

Jetzt möchten wir die Bibel, die die Christen in der Hand haben, durchblättern: Im Evangelium nach Matthäus (18/8) finden wir folgende Zeilen: “Jesus sagte: ‘Wenn deine Hand oder dein Fuß dich zum Bösen verführen, dann schlage sie ab und wirf sie weg. Es ist besser für dich, mit nur einer Hand oder einem Fuß bei ALLAH, dem Erhabenen, zu leben, als mit beiden Händen und Füssen ins ewige Feuer geworfen zu werden.’ ” Der vierzehnte Vers des einunddreizigsten Kapitels des zweiten Buches “Exodus” lautet: “Beachtet also den Sabbat! Er soll euch ein heiliger Tag sein. Wer an diesem Tag irgendeine Arbeit tut, und ihn dadurch entweicht, hat sein Leben verwirkt und muß getötet werden.”

Dies zeigt, dass auch die Bibel d.h. Thora und Evangelium angemessen findet, dass dem Übeltäter die Hand oder der Fuß abgeschnitten wird. Das Arzneimittel, das dem Kranken vom Arzt vorgeschrieben wird, kann ihm bitter fallen. Es ist auch möglich, dass der Kranke das vorgeschriebene Mittel für nutzlos, sogar schädlich hält. Jedoch wird er geheilt, wenn er in vollem Vertrauen zu ihm ist. So hat ALLAH, der Allerhalter vorgeschrieben, dass dem Einbrecher unter bestimmten Bedingungen die Hand abgeschnitten wird, da das gegen die Neigung zu Diebstahl das beste, abschreckende sogar verhindernde Mittel ist. Der wahre Moslem lügt nicht und stiehlt aufgrund seines guten Charakters nicht. Dass einem Einbrecher die Hand abgeschnitten wurde, veranlasst auch Menschen mit schwachem Charakter, auf solche Missetaten zu verzichten. Die geistige Krankheit des Diebstahls wird also dadurch geheilt. Die Menschen befreien sich von der Unruhe, dass ihre Waren gestohlen oder beschädigt werden könnten. Und solche Fälle gibt es nur sehr selten oder gar nicht.

4) “Der Islam nimmt dem Menschen seine Entschlusskraft, verbindet alles mit dem Schicksal, was zu Faulheit und Trägheit führt.”

Auch diese Behauptung ist verfehlt. Der Islam befiehlt im Gegenteil den Menschen, immer zu arbeiten, von ihrer Intelligenz rechten Gebrauch zu machen, alles Neue zu lernen, alle erlaubte Mittel zu verwenden, um Erfolge zu erzielen und nie zu erschlaffen. ALLAH, der Erhabene, erwartet von seinen Dienern, dass sie in ihren Sachen die Fähigkeiten, die Er ihnen geschenkt hat, gut verwerten und entsprechend handeln.

Das Schicksal ist alles andere als Fatalismus. Nur dann, wenn der Moslem in irgendeiner Angelegenheit seine ganze Intelligenz und den nötigen Fleiss verwendet und alles Menschenmögliche getan hat und sein Streben trotzdem erfolglos geblieben ist, sollte er, ohne dadurch in Verzweiflung zu geraten, das Ergebnis als Vorherbestimmung, Schicksal betrachten. Nichts tun, nichts wissen, nichts lernen und nur faul herum sitzen wird als schwere Sünde angesehen. ALLAH, der Erhabene, warnt im 40. heiligen Vers der Sure El-Nedschm (Der Stern): “Und dass der Mensch nur empfangen soll, wonach er sich bemüht hat.”

Wenn wir später den Stand der Wissenschaften und der Technik im Islam behandeln, werden wir sehen, wie die Moslems das Lernen und die Arbeit hochschätzten.

Wie bereits erwähnt, können Menschen manchmal ihr Ziel nicht ganz erreichen, obwohl sie alles versucht und großen Fleiß gezeigt haben. Dann sollten sie eingestehen, dass es eine höhere Macht gibt, die ihr Schicksal leitet. Das Schicksal ist zur gleichen Zeit eine große Trostquelle. Der Moslem, der sagt: “Ich habe meine Pflicht getan, dies soll aber mein Schicksal sein,” verzweifelt nicht an allem, obwohl sein Versuch erfolglos geblieben ist und setzt seine Tätigkeit mit voller innerer Ruhe fort. Die Sure El-Inschirach (Die Aufschliessung) besagt sinngemäß:

“Wahrlich mit dem Schweren kommt auch das Leichte, mit Drangsal kommt auch Genüge. Wenn du (dein Gebet) vollendet hast, dann mühe dich (um die Verbreitung deines Glaubens) und flehe demütig zu deinem Schöpfer.”

Der Sinn der Sure ist, dass man seine Tätigkeit fortsetzen muss, ohne vor einem Misserfolg zurückzuschrecken. Angehörige anderer Religionen oder Atheisten, die nur materielle Errungenschaften schätzen, verlieren vor solcher Lage alle Hoffnung, allen Mut und Arbeitswillen und machen keinen Versuch, sich wieder aufzuraffen. Nach dem zweiten Weltkrieg hat die ganze Welt angefangen, an das Schicksal zu glauben. In vielen europäischen und amerikanischen Veröffentlichungen fanden wir diese Überzeugung: “Wie recht war das Schicksal der Moslems! So sehr wir streben, können wir manchmal das Schicksal nicht wenden.” Derjenige, dem ein Unglück geschehen ist, der seine Geliebten, sein Hab und Gut verloren hat, kann sich nur durch den Glauben an das Schicksal, durch sein Vertrauen zu ALLAH, dem Erhabenen, ein neues Leben aufbauen. Vertrauen zu ALLAH, dem Erhabenen, zu haben, ist die grösste Trostquelle. Aber wir müssen wiederholen, dass der Mensch vorerst den Vorschriften des Islams folgt, von seiner Intelligenz vollen Gebrauch macht, alle menschensmöglichen Maßnahmen trift und daraufhin sich anvertraut.

5) Sie sagen: “Der Islam verbietet den Zins und gerät dadurch mit dem heutigen Wirtschaftssystem in Widerspruch.”

Auch dies ist eine völlig unbegründete Behauptung. Der Islam verbietet weder den Verdienst noch das Leihen und noch das Pachten, sondern die Zinswucherei. Der Verdienst, der durch ein Handelsgeschäft auf erlaubter Weise verdient worden ist, stellt im Islam einen ehrlichen Gewinn dar, denn er muss als eine Art “Kapitalrente’ angesehen werden. Der Islam verbietet den ehrlichen Gewinn nicht, sondern fordert ihn. Der heilige Prophet sagte: “ALLAH, der Erhabene, mag den rechtschaffenen Händler. Der rechtschaffene Händler ist SEIN Geliebter” St. Muhammed war in seinen jungen Jahren Händler. Dass derjenige der sein Kapital selbständig zu verwerten nicht imstande ist, sein Geld einem Freund, einer Bank oder einem Unternehmen anvertraut und sich den gewonnenen Verdienst assoziiert, steht mit der Handelsethik des Islams keineswegs in Widerspruch, sondern nimmt im Handelssystem des Islams einen wichtigen Platz ein. Die Rente, die er als Inhaber der Aktie einer Handelsbank bezieht, ist nach den Regeln des Islams, völlig erlaubt. Die Banken, die nach Verteilung von reinem Gewinn und ohne Zinsberechnung arbeiten, sowie ihre Vorteile und Nutzen, stehen in unserem Buch namens Seâdet-i Ebediyye (englische Ausgabe: Endless Bliss) umfassend geschrieben. Die Sure Mâida des heiligen Korans berichtet, dass der Zins, den der Islam verbietet, auch in der Thora als verboten verkündet worden ist. Zum Beispiel steht in den 19. und 20. Versen des 23. Kapitels, im Teil Deuteronomium, folgendes: “Wenn du einem anderen Israeliten Geld oder Getreide, oder sonst etwas leihst, darfst du dafür keinen Zins verlangen. Von einem Ausländer kannst du Zinsen abziehen.”

6) Nach einer Behauptung sei der Islam gegen die Wissenschaft und Technik.

Wie kann der Islam gegen die Wissenschaft sein? Der Islam ist die Wissenschaft selbst. In vielen Suren des heiligen Korans wird die Wissenschaft gefördert und der Wissenschaftler gelobt. Zum Beispiel in der 39. Sure “Al Sumar” (Die Scharen) (Vers: 12.) wird sinngemäß gefragt: “Sind etwa gleich diejenigen, welche wissen, und jene, welche nicht wissen? Nur die Verständnissen lassen sich warnen.”

Die heiligen Hadithe des Propheten Muhammed, die großen Wert auf Wissen legen, sind zahlreich und auch dem Angehörigen anderer Religionen bekannt. Zum Beispiel in den Büchern “Ihyâa’l-’Ulûm” (Belebung der Wissenschaften) und Mawdu’âta’l-’Ulûm (Schatz der Wissenschaften) wird, um den Wert der Wissenschaft hervorzuheben, folgende heilige Hadith erwähnt: “Erwerbt Wissen, selbst wenn es aus China bezogen werden muss.” Das heißt, der Moslem sollte sich nicht scheuen, die Wissenschaft sogar in der fernsten Ecke der Welt und tief im Lande der Unläubigen zu studieren. Er sollte keine Neuerung ablehnen, weil sie “Erfindung der Ungläubigen” ist. In heiligen Hadith wird befohlen: “Strebt und lernt von der Wiege an bis zum Grabe.” Diesem Befehl gemäß muss jeder vom Kind bis zum Greis arbeiten und seine Kenntnisse erweitern. Eine weitere Hadith lautet “Strebt nach weltlichem Leben, als ob ihr ewig leben könntet, strebt nach dem Jenseits, als wenn ihr morgen sterben würdet!” Eine heilige Hadith besagt: “Die bewusste Anbetung ist viel vorzüglicher als die unbewusste Anbetung.” Eine andere Hadith bedeutet: “Der Satan fürchtet sich vor einem Gelehrten mehr als vor tausend ungelehrten Frommen.”

Im Islam kann die Frau ohne Erlaubnis des Gatten, ausser der obligatorischen Ersten, keine weitere Pilgerfahrt nach Mekka unternehmen, weder zu Besuch noch auf eine Reise gehen. Es ist ihr aber erlaubt, wenn der Gatte nicht zu lehren imstande ist oder ihr das Lernen nicht gestattet, ohne seine Genehmigung studieren zu gehen. Wie man sieht, ist im Islam für die Frau die unerlaubte Pilgerfahrt, selbst wenn sie im Namen ALLAHs, des Erhabenen, zur Anbetung unternommen wird, eine Sünde, aber der unerlaubte Studiengang wird nicht als Sünde betrachtet. Wie unser Prophet, Friede sei mit ihm, mit Recht betont: “Wo Wissenschaft ist, ist auch der Islam; der Islam kann ohne Wissenschaft nicht existieren.”

Es kann auch nicht behauptet werden, dass der Islam gegen die Technik ist. Technik heißt “die Gesetze der Natur beobachten, verstehen und in die Praxis umsetzen.” All dies befiehlt auch der heilige Koran. Sich mit der Technik, mit den Künsten und der Produktion moderner Kriegswaffen zu beschäftigen, ist eine Verpflichtung für bestimmte Muslime. Unsere Religion gebietet, dass wir uns mehr bemühen als die Feinde. Einige von den lebhaften Sprüchen unseres Propheten, welche zur wissenschaftlichen Forschung auffordern, werden auf Seite 24 des ersten Bandes unseres Buches Endless Bliss (4. Auflage/S.24) zitiert. Also ist der Islam eine dynamische Religion, welche die Technik und positive Entwicklung fördert.

Die Europäer haben viele ihrer Kenntnisse und die Basis ihrer Wissenschaften den islamischen Büchern entnommen. Als die Europäer sich die Welt flach wie eine Platte und von einer Mauer umschlossen vorstellten, hatten die Moslems längst entdeckt, dass sie rund ist und sich dreht. Sogar massen sie auf der Wüste Sindschar in der Nähe von Mossul die Länge des Meridians. Die Bücher” Scharh’ul-Mawâqıf” und “Ma’rifatnâme” berichten ausführlich darüber. Die Araber haben auf der Sindscharebene, in der Nähe von Mossul, den Meridian gemessen und seine Länge mit großer Genauigkeit, wie heute berechnet. Der im Jahre 581 (1185) verstorbene Nurüddin Batrûci war Professor der Astronomie an der islamischen Universität von Andalusien. In seinem Buch “El-Hayât” finden wir alle Grundsätze der modernen Astronomie. Als Galilei, Kopernikus und Newton, die gewiß diese Bücher studiert hatten, behaupteten, dass die Welt sich dreht, wurden sie von der katholischen Kirche heftig kritisiert und für Ketzer gehalten. Galilei wurde wegen seiner Verteidigung der Lehre der Erdumkreisung, wie bereits erwähnt, vor das Inquisitionsgericht gerufen und gefoltert. Dagegen gab es in allen islamischen Hochschulen naturwissenschaftlichen Unterricht. Die Medressen von Andalusien haben der ganzen Welt in dieser Hinsicht den Weg gewiesen.

Ibn-i Sinâ,[Ibn-i Sînâ Hussejn (Avicenna) gest. 428 [1037] in Hemadan.] (in der westlichen Welt als Avicenna bekannt), der durch die islamische Zivilisation ausgebildet wurde, stellte als Erster fest, dass Krankheiten durch Mikroben entstehen. Er schriebt 900 Jahre vor unserer Zeit: “Jeder Krankheitserreger ist ein kleines Würmchen. Schade, dass wir kein Instrument besitzen, diese Würmchen sichtbar zu machen.”

Vorher hatte auch der berühmte islamische Arzt Ebu Bekr Râsi (854-932) entdeckt, dass Krankheiten wie Scharlach, Pocken und Masern, die alle bis damals als dieselben Krankheiten angesehen wurden, durch verschiedene Krankheitskeime verursacht werden. Die Werke dieser islamischen Wissenschaftler wurden ins Lateinische übersetzt und im Mittelalter an allen Universitäten des Westens und der Welt als Lehrbuch verwendet. Im Mittelalter wurden die Geisteskranken im Westen als “vom Teufel besessene” lebendig verbrannt, während diese im Osten bei den Moslems, als Kranke angesehen und in Krankenhäusern behandelt wurden.

Heute akzeptiert es jeder Vernünftige und auch bestätigen viele westliche Wissenschaftler, dass die Tatsachen, welche oben erwähnt wurden, d.h. die Basis der positiven Wissenschaften und der Technik vorerst von Moslems gelegt worden ist. Einige Feinde des Islam, die in die islamischen Länder eindrangen und sich als Gläubige angaben, und somit die Möglichkeit fanden, sich Gehör zu verschaffen, täuschten die Ungebildeten, indem sie über neue Erfindungen und Gaben der Technik und neuhergestellte Kriegswaffen ihre giftigen Worte sagten: “Alldies sind die Erfindungen von den Nichtmoslems; wer sie benutzt, wird selbst Nichtmoslem.” Und so liessen sie das Gebot ALLAHs, des Erhabenen: “Lernt alles Neue!” vergessen. Diese Lage, in die sie geraten waren, war einer der Gründe dafür, dass die Moslems in den Bereichen des Wissens und der Technik zurückgeblieben waren und der Westen erlangte durch seine neue Wissenschaft, Technik und Waffen die Überlegenheit. Diese hinterlistigen Feinde des Islams täuschten einerseits dadurch die Moslems, andererseits versuchten sie durch die grundlose Propaganda: “Die Moslems lieben die Technik nicht und sie lehnen die Technik und die positive Wissenschaft ab. Der Islam heißt Fortschrittsfeindschaft und Fanatismus” die Jugend vom Islam abzulenken und so den Islam von innen zu zerstören.

Diejenigen, welche die Tatsache, dass der Buchdruck im Osmanischen Reich erst 275 Jahre nach Europa gestattet wurde, damit erklären, dass der Islam den Buchdruck verbietet, irren sich völlig. Diese Verspätung verursachten die Buchabschreiber, die befürchteten, durch den Buchdruck ihre Stellung zu verlieren. Als endlich der Buchdruck gestattet wurde, veranstalteten diese eine Demonstration gegen das neue Verfahren, legten ihr Schreibzeug in einen Sarg und marschierten dann bis zur Bâb-ı Ali (Die Hohe Pforte, Regierungssitz des Osmanischen Reiches). Sie schlossen überall Bündnisse mit reaktionären Fanatikern, von denen wir unten noch berichten werden. Slogans wie: “Der Buchdruck ist nicht mit dem Islam vereinbar!” Jedoch wollte der fortschrittliche Sultan Ahmed III.,[Ahmed Khan III gest. im Jahre 1149 (Chr. 1736).] der merkte, dass diese hetzerischen Fanatiker nur aus ihrem eigenen (individuellen) Interesse den Islam als Mittel anwenden wollten, durch die tatkräftige Unterstützung des Großwesirs Dâmâd Ibrahim Pascha, der zugleich sein Schwiegersohn war, dieser Gegenpropaganda ein Ende setzen und verlangte vom Schaikhu’l-Islam (der obersten Intanz für Religionsangelegenheiten) ein Rechtsgutachten: Schaikhu’l-Islam Abdullah Effendi gab sein Rechtsgutachten ab. Es schliesst mit den Worten: “….da Bücher über Wissenschaft, Technik und Moral in der Presse schnell und mühelos gedruckt, billig erzeugt und überall verbreitet werden können, wurde beschlossen, dass der Buchdruck auch religionsrechtlich gestattet und empfehlenswert ist.” (Der Text wurde Seite 262 der Sammlung Bahdschat al-Fatawâ entnommen). Dieses Rechtsgutachten genügt zu beweisen, wie falsch die Behauptung “Bücher zu drucken widerspricht dem Islam” ist.

Fanatiker sind irregeführte, und zugleich irreführende Menschen, die andere Leute zwingen, ihre ignoranten, falschen und halben Kenntnisse und ihre politischen Meinungen als “Religionsweisheit” anzunehmen. Sie sprechen von den islamischen Kenntnissen ganz anders, um die Menschen von ihren bösen falschen Ideen überzeugen zu können. Manche missbrauchen dazu ihre hohe Stellung, in der Verwaltung, sowie Religion und die Gesetzeslücken, die meisten von ihnen veranlasst wurden, aber sie gewinnen ihre Kraft besonders dadurch, dass sie das Glaubensgefühl der Moslems missbrauchen und versuchen große Volksmassen zur Revolte, zum Hader oder sogar zum Bruderkrieg anzustacheln. Die schlimmesten Fanatiker sind solche Fanatiker der Religion, der Politik und der Technik, die den Glauben und die Moral des Volkes verderben, obwohl sie genau wissen, dass, was sie vortragen nicht wahr ist und um des Geldes oder der Stellung oder des Ruhmes willen, die Untaten und Fehldogmen der sogenannten Reformer im Islam und der Nichtsunniten propagieren, oder falsche Lehren einführen.

Wir können sie in drei Gruppen teilen:

1) Ungelehrte Fanatiker, die überhaupt keine religiösen und wissenschaftlichen Kenntnisse besitzen, aber glauben, sehr klug und gelehrt zu sein. Diese können Zwietracht unter dem Volke säen und von den Feinden des Islams leicht verführt werden. Patrona Khalil, Kabakdschi Mustafa und Kızılbasch (Rafizit) Dschalali, der behauptete, dass er Messias sei, sind in der osmanischen Geschichte als Verursacher großen Bultvergießens aufgeführt.

2) Die zweite Gruppe bilden die Religionsfanatiker Dies sind die üblen Religionsgelehrten. Diese besitzen einige Kenntnisse, aber nutzen diese für die Verwirklichung ihrer bösen, heimtückischen Absichten aus, mit anderen Worten, mit dem Zweck, an Geld und Gut zu kommen und irdischen Platz und Ruhm zu erwerben. Dazu reden sie von den Themen, deren sie nicht kundig sind oder erzählen das Gegenteil der Kenntnisse, die sie besitzen und durchführen. Sie verletzen die Grenzen des Islams und die Unwissenden nehmen diese zum Vorbild um Böses zu tun und den Islam zu vernichten. Diejenigen, die zu dieser Gruppe gehören, sind Abdullah Ibn Sebe’, der dem Islam große Wunden schlug, Ebu Muslim Horasani, Hassan Sabbah, Scheikh Badraddin, der Sohn von Kadi (dem islamischen Richter) der Stadt Samawne, die Rechtsgelehrten, die Rechtsgutachten dafür abgaben, dass manche von osmanischen Sultane getötet wurden, Muhammed ibn Abd al-Wahhab aus Nedschd, der mit dem sogenannten “Wahhabismus”, Zwietracht, hervorrief, Dschamaladdin-i Afghânî, der Chef der Freimaurer in Kairo und sein Anhänger Raschid Rıdhâ, Hasan al-Banna und Seyyid Kutb aus Ägypter, Dr. Abdullah Dschawdat, einer von denen, die in Istanbul den Islam angriffen, Ahmed Qadiyânî, ein Heuchler, der veranlasste, dass die Engländer in Indien den Islam angriffen, Ebu’l âlâ Maudoodî aus Pakistan und die anderen, ferner die Reformatoren, die im Islam neu auftauchten, die Verirrten (d.h. diejenigen, die die vier rechten Rechtsschulen nicht verfolgen), der bekannte englische Spion Lawrence, der sich als ein islamischer Geistlicher ausgab und dadurch anstrebte, das Osmanische Reich zu stürzen. Sie alle versuchten den Islam vom Innen zuzerstören, indem sie das Glaubensgefühl der Moslems missbrauchten.

Der große islamische Religionsgelehrte Imâm Ahmed Rabbani, Friede sei mit ihm, klagt im 47. Brief seines Werkes “Mektubat” (Briefe), böse Geistliche wie folgt an: “Die Worte der angeblichen, hinter weltlichen Gewinn herjagenden Religionsgelehrten zu hören und ihre Bücher zu lesen ist so schädlich, wie Gift einzunehmen. Ihr Schaden ist ansteckend. Sie zersetzen die Gemeinschaft und unterhöhlen die Gesellschaftsordnung. Sie haben Schuld an den Katastrophen, die in der Vergangenheit die islamischen Staaten befallen haben.” Das sind die Religionsmänner, die die islamischen Staatsmänner vom rechten Weg abweichen liessen. Der heilige Prophet teilte mit: “Die Moslems werden sich in dreiundsiebzig Gruppen teilen. Zweiundsiebzig davon werden in die Hölle kommen. Nur eine Gruppe wird von der Hölle befreit werden.” Die Führer, der vom rechten Weg abgeirrten zweiundsiebzig Sekten, waren alle böse Geistliche. Es wurde selten beobachtet, dass ein unwissender Fanatiker einen schädlichen Einfluss auf die anderen ausübte. Auch die Scheichs der Derwischanstalten, die ignorant und abgewichen sind, sind böse Geistliche. Sie üben mit ihren verirrten Kenntnissen einen schädlichen Einfluß auf die anderen aus.

“In seinem 33. Brief zitiert er eine Hadith: “Am Auferstehungstag werden Religionsgelehrte, deren Wissen ihnen selbst und der Gemeinschaft nutzlos war, die schwersten Höllenqualen erleiden.” Werden nicht religiöse Kenntnisse bösen Religionsmännern nachteilig sein, weil sie von ihnen missbraucht wurden, um an Geld und Gut zu kommen und irdischen Ruhm und Platz zu erwerben, da doch das Wissen von Allah, dem Erhabenen, hochgeschätzt wird? Jedoch ist es, bei dem Erhabenen etwas Böses, zu irdischen Dingen Neigung zu haben. Demnach wird es eine schlimme Tat, wenn man das Wissen, das von dem Erhabenen hochgeschätzt wird, auf dem Weg benutzt, mit dem Er nicht zufrieden ist. Das bedeutet alles, was Er hochschätzt, zu unterschätzen, und alles, was Ihm nicht gefällt, hochzuschätzen. Mit anderen Worten bedeutet dies, sich Allah, dem Erhabenen zu widersetzen. Unterricht geben, predigen, religiöse Schriften herausgeben, Bücher oder Zeitschriften veröffentlichen, bringen nur dann Nutzen, wenn man die Absicht trägt, die Zufriedenheit Allahs, des Erhabenen zu erhalten ohne aber die Absicht zutragen, Geld und Ruhm zu erwerben. Das Zeichen dafür, dass man mit guter Absicht handelt ist, dass man keine Neigung zu irdischen Dingen hat. Religionsmänner, die in dieses Unglück verfallen sind und deren Absicht es ist, irdische Dinge zu erwerben, streben nur die irdische Welt an. Sie sind böse Geistliche. Sie sind die Niedrigsten unter den Leuten. Sie werden gleichzeitig Diebe im Islam genannt. Jedoch halten sie sich selbst für echte Geistliche, für Streber des Jenseits und Fromme unter den Leuten, und machen sich so bekannt.

Allah, der Erhabene, berichtet solche in den 18. und 19. heiligen Versen der Sure Mudschadele (Die Streitende) sinngemäß: “Eines Tages wird Allah sie allzumal erwecken, und sie werden IHM schwören wie sie euch schworen, und werden glauben, es hülfe ihnen etwas. Ist’s nicht, dass sie Lügner sind? Der Satan ist in sie gefahren und ließ sie das Gedenken an Allah vergessen. Sie sind Satans Verbündete. Ist’s nicht, dass Satans Verbündete die Verlorenen sind?” Einer der größten Gelehrten des Islams fragte den Satan, der immer da saß und untätig war, warum er sich nicht weiter darum bemühe, die Menschen zu betrügen. Der Satan gab ihm folgende interessante Antwort: “Böse Gelehrten dieser Zeit, die angeblich Geistliche sind, helfen mir dabei so sehr mit, die Menschen vom richtigen Weg abzulenken, dass ich diese wichtige Pflicht nicht mehr zu leisten brauche.” Der Grund der Nachlässigkeit die, besonders heute, bei der Widerlegung des Islams aufgewiesen werden und die Tatsache, dass sie die Menschen der Religion abwenden, liegt an den falschen Schriften und Kundgebungen dieser bösen sogenannten Geistlichen. [Geistliche teilen sich in drei Gruppen: Vernünftige, Gelehrte, Fromme. Ein Geistlicher, der diese drei Eigenschaften gleichzeitig besitzt, wird Religionsgelehrter genannt. Wenn ein Geistlicher auch eine einzige davon nicht besitzt, so darf man seinem Wort kein Gehör schenken. Damit man ein Gelehrter sein kann, ist es unbedingt nötig, sich in den Wissenschaften, der Technik und der Religion zu spezialisieren.]

Religionsgelehrte, die keine Neigung haben, an Geld und Gut zu kommen, Ruhm und Rang zu erwerben, sind fromme Geistliche. Sie sind Vertreter und Erben der Propheten, Friede sei mit Ihnen allen. Sie sind die frommsten unter den Menschen. Am Jüngsten Tag wird ihre Tinte, die sie zum Schreiben verbrauchten und das Blut der Märtyrer, die ihr Leben um Allahs, des Erhabenen, Willen zum Opfer brachten, gewogen und die Tinte wird Mehrgewicht haben. Diejenigen, die mit der heiligen Hadith “Der Schlaf der Religionsgelehrten gilt als Anbetung” hochgepriesen werden, sind diese. Sie haben ferner die Schönheit der ewigen Gnaden zu spüren bekommen, den Ekel und Bosheiten irdischen Lebens eingesehen und die nächste Welt für ewig, diese Welt für vorläufig gehalten. Sie legen keinen Wert auf vorläufige, veränderliche und endliche Dinge, halten sich dagegen an unendlichen und unveränderlichen Schönheiten fest. Den Vorzug der nächsten Welt einzusehen, kann einem gelingen, indem man die ewige Erhabenheit Allahs, des Allmächtigen, begreift. Wenn man die Bedeutung der nächsten Welt einsieht, hält man die irdischen Dinge für unwichtig. Denn das irdische Leben ist dem nächsten Leben zuwider. Wenn man eins zufriedenstellt, beleidigt man das andere. Wenn man dieses Leben schätzt, kränkt man das Jenseits. Wenn man die irdische Welt nicht liebt, dann wird man die nächste Welt geschätzt haben. Es ist unmöglich, dass man die beiden Welten zugleich für wichtig hält oder unterschätzt. Zwei Dinge, die einander zuwider sind, darf man nicht als eins betrachten. [Feuer und Wasser kann man nicht in dem selben Raum halten.]

Manche von den Großen der Sittlichkeitslehre, die sich dem irdischen Leben abwanten, erscheinen aus verschiedenen Gründen und wegen verschiedener Vorteile, wie Menschen irdischen Lebens. In Wahrheit haben sie keine Lust in ihrem Herzen dazu. Sie sind eigentlich dazu in der Lage, was im 37. heiligen Vers der Sure Nûr (Das Glaubenslicht) des heiligen Korans dem Sinn nach mitgeteilt wird: “Männer, die weder Ware noch Handel abhält von dem Gedanken an Allah und der Verrichtung des Gebets.” Sie erscheinen den Leuten wie Menschen irdischen Lebens, jedoch stehen sie in gar keiner geistigen Verbindung mit dieser Welt. Hadsche Bahaeddin-i Nakschibend Buhârî (aus Buchara), Friede sei mit ihm, sagt: “Auf dem Markt von Mina in Mekka handelte ein junger Händler um 50.000 Goldstücke. Währenddessen vergaß er Allah, den Erhabenen nie.”

3) Die dritte Gruppe besteht aus den Fanatiker der Naturwissenschaften bzw. der Technik. Diese erzählen und schreiben das, was sie erfunden haben, als Kenntnis der Technik und Naturwissenschaft, medizinische Kunde und Fortschritt mit dem Zweck, den festen Glauben der Jugend zu verderben, sie vom Islam zu entfernen und somit die Jugend zutäuschen. Sie behaupten religiöse Bücher wären falsch, sie widersprächen naturwissenschaftlichen Kenntnissen. Wenn man diesen Büchern glaubt, wird man forschrittsfeindlich. Ein Fanatiker der Naturwissenschaft greift den Islam ebenso an, indem er naturwissenschaftliche Kenntnisse verändert, wie ein Fanatiker im Islam religiöse Kenntnisse verändert. Der mit guter Ausbildung und islamischen Kenntnissen ausgestattete Moslem merkt, dass sie weder in der Wissenschaft noch im Islam im Licht stehen, dass ihre Worte weder mit Wissen noch Technik zu vereinbaren sind und durchschaut somit ihre Absichten leicht, aber sie können die studierende Jugend und wenig gebildete Leute vom Islam ablenken und zum Unglück führen. Dadurch zerstören sie die islamische Einheit. Die Fanatiker der Naturwissenschaften sind in unserem obenerwähnten Werke Endless Bliss” (Seadet-i Ebediyye) ausführlicher behandelt worden.

Die Fanatiker in diesen drei Gruppen haben den islamischen Ländern und dem makellosen Islam großen Schaden angetan und das tun sie noch heute. Der Zweck solcher, der Heuchler, der heimtükischen Atheisten ist, die islamische Religion von Innen zu zerstören. Sie existieren auch heutzutage, aber –ALLAH, dem Erhabenen, sei Dank– sie haben keinen Einfluss mehr wie früher. Die heutige islamische Welt strengt sich an, alle Geheimnisse der Wissenschaft und der Technik zu erforschen, wie ALLAH, der Erhabene, ihnen gebietet, und ist davon überzeugt, dass sie selbst nur damit das Niveau in der Technik und Wissenschaft der fortgeschrittenen westlichen Welt erreichen können. Es ist doch bedauernswert, dass die Moslems, die im Mittelalter im Wissen und in der Technik den Vorrang hatten, in den letzten Zeiten in diesen Bereichen zurückliegen, dass sie von den Gegnern des Islams hereingelegt wurden und die Gebote und Verbote der islamischen Religion vernachlässigt haben.

Es geht also hervor, der Islam ist in aller Hinsicht sehr makellos, vollkommen und entspricht den Bedingungen des einundzwanzigsten Jahrhunderts, in das wir allmählich hineingehen. Er gebietet das Erlernen und das Praktizieren, verbietet aber die Faulheit, Dickfelligkeit. Er ist für Gerechtigkeit und kann als Gründer und Schützer der Ordnung angesehen werden, die von der europäischen Welt erst seit dem neunzehnten Jahrhundert bestrebt wird. Dieses Kapitel ist nicht umfassend genug, eine gründliche Information darüber zu geben. In unserem Buch Endless Bliss [türkisch, englisch] gibt es für unsere Moslembrüder und Angehörige anderer Religionen über die Verhältnisse zwischen dem Islam und der sozialen Ordnung ausführliche Information. Dieses Buch ist in dieser Hinsicht empfehlenswert.


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